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Klimawandelbetroffen:
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Wissenschaft
 

1. -- Wissenschaftliche Aufgaben der Landschaftsstation

2. -- "Waldrand"-Projekt

3. -- "Klimawandel"-Projekt"


1. Die wichtigsten wissenschaftlichen Aufgaben der Landschaftsstation:

Kartierungen von Flora und Fauna in ausgewählten Biotopen

Erstellung von Naturschutzfachlichen Planungen

Erarbeitung und Durchführung von Artenhilfsprogrammen

Beratung und Zusammenarbeit mit Land- und Forstwirten, Behörden, interessierten Gruppen und Einzelpersonen

Beratung und Mitarbeit bei der Umsetzung von Förderprogrammen des Landes NRW und des Kreises Höxter, z.B. Vertragsnaturschutz


Die Landschaftsstation ist zurzeit an mehrereren wissenschaftlichen Projekten beteiligt.
Die umfangreichsten Forschungsvorhaben sind zurzeit das
- "Waldrand"-Projekt, gefördert von der BLE, - - - und das
- "Klimawandel"-Projekt, gefördert durch die DBU.


2. "Mittelwaldähnliche Waldrandgestaltung und -nutzung"
Vollständige Bezeichnung:
Modell- und Demonstrationsvorhaben im Bereich Biologische Vielfalt "Mittelwaldähnliche Waldrandgestaltung und -nutzung zur Förderung der Nutzholzarten Stiel-Eiche, Trauben-Eiche und Hainbuche sowie seltener Edellaub- und Nadelgehölze wie Elsbeere, Wacholder oder Eibe".

Das Vorhaben ist ein Verbundprojekt von
- Landschaftsstation
im Kreis Höxter - - - und
- Regionalforstamt Hochstift.
Die Partner danken der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung
in Bonn für die finanzielle Förderung.

Ziel des Vorhabens ist die Förderung der in ihren Beständen im Rückgang befindlichen, lichtliebenden Nutzholzarten Trauben-Eiche (Quercus petraea), Stiel-Eiche (Quercus robur), Hainbuche (Carpinus betulus), Feld-Ahorn (Acer campestre), Winter-Linde (Tilia cordata), Elsbeere (Sorbus torminalis), Wacholder (Juniperus communis) und Eibe (Taxus baccata). Diese soll im Rahmen einer mittelwaldähnlichen Nutzung von Waldrändern erfolgen. Die ökonomische Inwertsetzung erfolgt im Rahmen einer einmaligen Erstinstandsetzung sowie des nachfolgenden regelmäßigen Einschlages des nachwachsenden Holzes (alle 20 - 40 Jahre). Das jeweils eingeschlagene Holz wird zur Energiegewinnung genutzt.

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Mittelwälder und Niederwälder stellten über Jahrhunderte die Brenn- und Bauholzversorgung sicher und waren bis in das 20. Jahrhundert hinein typisches Element der traditionellen Kulturlandschaft.

Niederwald (Foto: Frank Grawe)

Während im Niederwald der gesamte Baumbestand im Abstand von 15 - 40 Jahren auf den Stock gesetzt wurde, wurden im Mittelwald einzelne Überhälter (überwiegend Eichen) zur Wertholzerzeugung im Bestand belassen. Da nicht alle heimischen Baumarten in der Lage sind, sich durch Stockausschläge zu regenerieren, erfolgte eine Selektion hinsichtlich ausschlagkräftiger Gehölze wie Trauben-Eiche (Quercus petraea), Stiel-Eiche (Quercus robur) oder Hainbuche (Carpinus betulus). Zurückgedrängt wurde die natürlicherweise in Mitteleuropa dominierende Buche - denn sie ist nur sehr eingeschränkt in der Lage sich über Stockausschläge zu regenerieren.

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Enorme Schäden in den Nutzwäldern - v. a. den Nadelforsten - verursachte der Orkan Kyrill am 18.1.2007 (hier: Raum Brakel; Fotos: Frank Grawe)

Vor allem seit Ende des 19. Jh. sind zahlreiche, z.T. über Jahrhunderte bewirtschaftete Nieder- und Mittelwälder schnellwachsenden Nadelwäldern gewichen oder sind zu Hochwäldern durchgewachsen. Da zudem in den letzten Jahrzehnten des 20. Jh. im Rahmen der naturnahen Waldwirtschaft vor allem die Buche bevorzugt wurde, die als Schattholz kaum andere Arten toleriert, sind die genannten lichtliebenden Gehölze und Kräuter und mit ihnen die Tierarten lichter Wälder in ihren Beständen stark zurückgegangen.

Im Zuge der Rohstoffverknappung und in der Folge steigender Energiekosten kommt dem Energieträger Holz seit einigen Jahren wieder eine zunehmende wirtschaftliche Bedeutung zu. Dies gilt insbesondere für ländliche Regionen wie dem Kreis Höxter. Dort wird vom Regionalforstamt Hochstift (ehemals Forstamt Bad Driburg) Brennholz seit einigen Jahren auf breiter Front als nachwachsender Rohstoff und Alternative zu fossilen Energieträgern propagiert und erfolgreich in Wert gesetzt. So wird im Kreisgebiet bereits in zahlreichen Heizungsanlagen, sowohl im öffentlichen wie auch im privaten Bereich, eine moderne Brennholznutzung in Form von Holz-Hackschnitzeln oder sog. Pellets betrieben.

Fläche vor Maßnahme (Foto: F. Grawe)

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Die enorme Nachfrage nach Energieholz hat in vielen Bereichen Deutschlands bereits zu erheblichen Engpässen geführt. Sollen die im Rückgang begriffenen Zielbaumarten auf breiterer Front gefördert werden, liegt es aufgrund der stark gestiegenen Nachfrage nach Energieholz auf der Hand, den Nutzungstyp Nieder- oder Mittelwald wieder zu beleben. Ideal geeignet erscheint diese Nutzungsform im Bereich der meist stark überbestockten Waldaußen- und Innenränder, welche im großen Umfang zur Verfügung stehen. Hier finden sich überwiegend großkronige und tiefbeastete Bäume, die allenfalls als Industrieholz vermarktbar sind - ein Produkt, mit dem die Energieholznutzung konkurrieren kann!

Die erheblichen finanziellen Belastungen, welche sich für die Forstwirtschaft entlang von Straßen, Bahntrassen und Wegen aus der Verkehrssicherungspflicht ergeben, würden durch den gestuften Aufbau eines mittelwaldähnlichen Waldrandes ebenfalls deutlich verringert.


Harvester im Einsatz auf einer Projektfläche (Fotos: Frank Grawe)

Als "kostenlosen" Nebeneffekte dieser Nutzungsform werden positive Auswirkungen für den Natur- und Artenschutz erwartet, denn gut strukturierte Waldränder verfügen über krautige Säume, blüten- und beerenreiche Sträucher sowie Bäume zweiter Ordnung. Es handelt sich um einen der artenreichsten Ökotone in der mitteleuropäischen Landschaft. Durch das mannigfache, auf kleinstem Raum wechselnde Angebot unterschiedlicher Licht-, Feuchte- und Temperaturverhältnisse werden sich derart genutzte Waldränder, ähnlich "echten" Mittelwäldern, zu wertvollen Waldbiotopen entwickeln.

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Abgesehen von der Förderung der oben erwähnten Baumarten, die z. B. als Überhälter im Bestand verbleiben bzw. denen durch ihr Stockausschlagsvermögen ein Konkurrenzvorteil verschafft wird, wird sich eine große Vielfalt an zum Teil seltenen und gefährdeten Pflanzen- und Tierarten einstellen.
Zu nennen sind u. a. Wacholder, Berberitze, Liguster oder diverse Rosenarten sowie lichtliebende Arten der Krautschicht wie z.B. der Frauenschuh.


Prompter Erfolg: Schon im ersten Jahr nach der Durchforstung wurden auf einer Projektefläche wieder blühende Exemplare des Frauenschuhs (Cypripedium calceolus) gefunden (Foto: Frank Grawe, Mai 2008)

Aus der heimischen Fauna profitieren v. a. Falter und Vögel (u. a. der Neuntöter oder verschiedene Grasmückenarten).
Im Biotopverbundnetz fungieren naturnahe Waldränder ferner als Ausbreitungsachsen für verschiedenste Organismengruppen.

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Projektflächen sind sechs Streifen von 50 m Tiefe an Waldrändern im östlichen Kreis Höxter (Klicken Sie auf den jeweiligen Namen oder die Fläche um eine pdf-Datei mit einer Karte im Maßstab 1:5.000 zu erhalten):

pdf Bielenbergpdf Ziegenbergpdf Steinbergpdf Selsbergepdf Wandelnsbergpdf Weserhang Nierenberg

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Die Flächen sind im einzelnen:
- Bielenberg-Nordosthang im Stadtgebiet Höxter, NSG "Bielenberg",
- Ziegenberghang im Stadtgebiet Höxter, NSG "Ziegenberg",
- Steinberghang bei Wehrden im Stadtgebiet Beverungen,
- Selsberge-Südhang im Stadtgebiet Beverungen, NSG "Selsberge",
- Wandensberghang im Stadtgebiet Beverungen, NSG "Wandelnsberg",
- Weserhang unterhalb Nierenberg im Stadtgebiet Beverungen.


Zum Projektauftakt stand in der Presse... NW... WB...

Die WDR-Lokalzeit berichtete am 10.03.2008 über das Waldrandprojekt:
Sturmschutz für den Wald
Ein Beitrag von Manfred Schumacher, 1:47 min.
Die letzten großen Stürme haben es bewiesen: Die Wälder können ihrer Gewalt nur wenig entgegen setzen. In Höxter werden jetzt probeweise die Waldsäume mit Sträuchern aufgeforstet - als natürlicher Schutzwall für den Wald.
(Videodatei in der WDR-Mediathek, erfordert Acrobat Flash Player 9)


Am 16. und 17. September 2008 berichtete die lokale Presse über die Auflichtung des Kiefernforstes am Schleusenberg... NW... WB...

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3. Entwicklung von Anpassungsstrategien ... zum Erhalt hochgradig durch den Klimawandel gefährdeter Lebensgemeinschaften

Seit März 2008 ist die Landschaftsstation federführend an dem wissenschaftlichen Forschungsvorhaben "Entwicklung von Anpassungsstrategien seitens des Naturschutzes zum Erhalt hochgradig durch den Klimawandel gefährdeter Lebensgemeinschaften", kurz "Klimawandel" ganannt, beteiligt. Das Vorhaben wird von der DBU - Deutsche Stiftung Umweltschutz gefördert, ist auf 6 Jahre angelegt und umfasst als weitere Partner:
- PIK - Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung, Potsdam
- UFZ - Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung, Halle
- Hochschule Ostwestfalen-Lippe (FH), FB 9, Höxter
-
Naturschutzzentrum Märkischer Kreis, Lüdenscheid.

Der so genannte "Klimawandel" wird unabhängig von Einzelheiten heute von der Mehrheit der Wissenschaftler und Politiker als akute Bedrohung für die Lebensgrundlagen des Menschen bezeichnet.

Für die nächsten Jahrzehnte wird eine Temperaturzunahme vor allem im Winter prognostiziert, sowie eine starke Zunahme der Winterniederschläge, ein Rückgang der Sommerniederschläge und ein Anstieg trockenheißer Wetterlagen im Sommer bei gleichzeitiger Häufung von Starkniederschlagsereignissen.

Unabhängig von Ausmaß und Zeitpunkt dieser Entwicklungen ist es notwendig, unser Wissen über mögliche Zusammenhänge und Folgen zu erweitern sowie mogliche Strategien vorzubereiten und zu erproben.

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Die zu erwartenden Veränderungen betreffen sowohl die unbelebte als auch die belebte Umwelt. Deshalb mehren sich neben spektakulären Neueinwanderungen von Tier- und Pflanzenarten die Anzeichen, dass andere Arten verschwinden werden: Schätzungen für Deutschland beziffern den Verlust auf 5 - 30 % aller Arten, weltweit gelten je nach Szenario 15 - 37 % der Arten als vom Klimawandel bedroht.

Im Naturschutz wird das Problem erst in jüngerer Zeit thematisiert. Konsens in der Fachwelt ist, dass der Wissensstand über die Auswirkungen des Klimawandels auf Tier- und Pflanzenarten verbessert und Anpassungsstrategien zu ihrem Schutz entwickelt werden müssen. Eine entscheidende Rolle kommt hierbei langfristigen Monitoringdaten zu, um klimatische Effekte von anderen Einflussfaktoren trennen zu können. So sind insbesondere zahlreiche montane und kontinentale Arten, die aufgrund der Seltenheit ihrer Lebensstätten schon jetzt nur stark verinselt vorkommen, durch klimatische Veränderungen hochgradig gefährdet.



Hochmoor-Perlmutterfalter - - - - - Mädesüß-Perlmutterfalter
(Foto: Olaf Leilinger - GNU-FDL) - - (Foto: Frank Grawe)

Das "Klimawandel"-Projekt will die Auswirkungen des Klimawandels am Beispiel hoch bedrohter Tagfalterarten und seltener und gefährdeter Lebensräume darstellen und mögliche Lösungsvorschläge für ihren Erhalt aufzeigen.
Hierzu werden für zwei größere Naturräume, das Sauerland und das Weserbergland, langjährige Tagfalter-Monitoringdaten mit der tatsächlichen Klimaentwicklung in Beziehung gesetzt.
Dies ermöglicht, das Ausmaß des Wandels der Tierwelt auf regionalem Niveau zu erfassen. Anhand ebenfalls regionalisierter Klimamodelle werden zukünftige Auswirkungen des Klimawandels auf die Populationen besonders gefährdeter Arten berechnet, wobei als . geeignete Arten im Weserbergland z. B. der Kreuzenzian-Ameisenbläuling (Maculinea rebeli) oder der Hochmoor-Perlmutterfalter (Boloria aquilonaris) im Sauerland. Außerdem eignen sich Arten, die als besonders repräsentativ für bestimmte Lebensraumtypen gelten und eine hohe Empfindlichkeit aufweisen könnten z. B. der Mädesüß-Perlmutterfalter (Brenthis ino) für Niedermoore und der Silbergrüne Bläuling (Lysandra coridon) für Halbtrockenrasen.

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Die Arten der in den nördlichen Mittelgebirgen nur inselhaft verbreiteten Kalk-Halbtrockenrasen haben bei einer zukünftig stärkeren Sonneneinstrahlung und höheren Temperatur aufgrund ihrer geringen Größe nur wenig Ausweichmöglichkeiten in weniger stark besonnte, nordwest- bis ostexponierte Lagen.
Diese bislang artenärmeren und damit scheinbar "weniger wertvollen" Bereiche aber sind es, die nach Aufgabe der großflächigen Schaf- und Ziegenbeweidung Mitte des 20. Jh. vernachlässigt wurden, so dass sie heute oft dicht verbuscht sind. Andererseits unterliegen die umliegenden Flächen meist einer intensiven landwirtschaftlichen Bewirtschaftung und entfallen daher als Ausweichmöglichkeit.


Kleines Knabenkraut - - Sumpf-Herzblatt (Fotos: Frank Grawe)

Von der oben angesprochenen Verdrängung bedroht sein dürften v. a. Arten, die vorzugsweise die etwas frischeren oder wechselfeuchten Magerrasenausprägungen besiedeln wie z. B. das Kleine Knabenkraut (Orchis morio), das Sumpf-Herzblatt oder das Katzenpfötchen (Antennaria dioica).
Ferner konnte in den trockenwarmen Sommern 2003 und 2005 beobachtet werden, dass die Bestände von Deutschem Enzian und Kreuz-Enzian (Gentianella germanica, G. cruciata) in Knospe bzw. Blüte vertrockneten und nicht zum Fruchten kamen. Das extrem trockene Frühjahr des Jahres 2007 führte zudem in weiten Bereichen zum Ausbleiben der Orchideenblüte.

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Auch hier zeigt sich wieder die enge Verzahnung von Pflanzen und Tieren eines Lenbensraums: Denn die Verdrängung der genannten Pflanzen wird auch den Verlust der Schmetterlingsarten nach sich ziehen. Es fehlen dann die Raupenfutterpflanzen. Genannt seien z. B. Maculinea arion (Feld-Thymian), Maculinea rebeli (Kreuz-Enzian), Plebejus argus und Zygaena viciae (Gewöhnlicher Hornklee) sowie die FFH-Anhang II-Art Euphydryas aurinia (Tauben-Skabiose).


Maculinea rebeli auf Kreuz-Enzian - Katzenpfötchen (Fotos: Frank Grawe)

Aus den gewonnenen Erkenntnissen des Projektes sollen konkrete Maßnahmen abgeleitet und umgesetzt werden, welche ein Überleben der Zielarten auch unter sich ändernden klimatischen Gegebenheiten sicherstellen sollen. Dabei soll die nochmals Wirksamkeit dieser Maßnahmen untersucht werden, um das Management gegebenenfalls optimieren zu können.

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