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Lerchenfenster

Zwei mal pro Hektar die Sämaschine für einige Meter anheben, mehr ist nicht nötig. Die Landschaftsstation im Kreis Höxter sucht jetzt Landwirte, die sich mit dieser einfachen Methode aktiv am Schutz unserer heimischen Feldvögel beteiligen.

Frühlingsbote und Marathon-Sänger – Wie lange noch?

Unglaublich, aber wahr: In ganz Europa geht die Feldlerche zurück. In den letzten Jahren um über 50%. Rebhuhn, Wachtel, Goldammer und anderen geht es ähnlich.
Seit jeher sind Landwirte mit der Feldlerche vertraut, Ihr Tirilieren löst immer wieder einen suchenden Blick in den blauen Himmel aus. Doch die Bestände sind seit den letzten 20 Jahren stark rückgängig. Dabei beherbergen Deutschland und Polen zusammen ca. 40% des europäischen Brutbestandes und stehen somit besonders in der Verantwortung die Populationen zu erhalten

Warum?
Die Lerche brütet am Boden. Zwischen April und August nistet sie in Beständen, die max. 50 cm hoch und eher dünn sind. Normal brütet sie 2 – 3 x pro Jahr. Dann reicht die Zahl der Jungen, um den Gesamtbestand zu halten. Doch heutiges Wintergetreide steht sehr dicht. So dicht, dass hier nur noch die erste Brut geht. Ab Mai muss die Lerche auf Wegränder und offene (Hackfrucht-)flächen ausweichen. Dort ist ihr Bruterfolg aber wegen Bewirtschaftung und Feinden viel geringer: Die Bestände nehmen ab. Das fällt zuerst gar nicht auf, aber in einigen Gegenden Bayerns gibt es heute schon fast keine Lerchen mehr!

Was tun?
Die „Lerchenfenster“ wurden von Landwirten und Naturschützern in England entwickelt. Dabei werden pro Hektar 2 - 3 künstliche Fehlstellen á 20 m² angelegt, z.B. durch Ausheben der Sämaschine oder durch Fräsen. Ansonsten behandelt man diese Stellen wie den restlichen Schlag. Das ist einfach und betrifft nur 40 von 10.000 m². Aber es verdreifacht den Bruterfolg in Wintergetreide!
Unsere Lerchen haben wieder eine Chance!


Einfach die Sämaschine "ausgehoben"... (Foto: Alf Pille - LBV)

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Lerchenfenster – wie anlegen?
Die Feldlerchenfenster können beim Säen (Sämaschine anheben) oder später angelegt werden (Fräsen, z.B. von Mäuseplatten). Wichtig:
· min. 2 Fenster je Hektar,
· jedes ca. 20 m² groß (3-m-Sämaschine für 7 m ausheben),
· mit Abstand zu Fahrgassen,
· min. 25 m von Feldrand.
(In Fahrgassen und am Feldrand suchen die Feinde, z.B. Hauskatze und Fuchs, nach Beute.)


Einfach angelegt - aber bitte mit Abstand (Grafik: Alf Pille - LBV)


Wie bewirtschaften?
Behandeln Sie die Fenster ganz normal wie den restlichen Schlag.

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Was ist mit Unkraut?
Es kann (muss nicht!) in den Fenstern mehr Unkraut aufkommen. In der Fruchtfolge wirkt sich das aber nicht aus. Denn die Fenster sind sehr klein und können jedes Jahr woanders liegen


Lerchenfenster im Wintergetreide (Foto: Alf Pille - LBV)

Die Lerchenfenster sind unkompliziert und machen Ihnen als Landwirt kaum Probleme. Und mit den Fenstern helfen Sie nicht nur Lerchen: Feldhase, Rebhuhn, Wachtel, Turmfalke, Goldammer, Neuntöter und viele Insekten lieben die warmen und trockenen Stellen im Bestand!


Wir suchen Sie als Landwirt und Vogelfreund
Die Landschaftsstation im Kreis Höxter möchte Landwirte dafür gewinnen, jeweils 2 Lerchenfenster pro Hektar mit einer Größe von ca. 20 m² anzulegen. Die Lerchen bekämen dadurch eine "Landebahn", können einfacher auf Nahrungssuche gehen und besser zu ihrem Nest gelangen, das sie sehr wahrscheinlich in der Nähe der Fenster anlegen würden. Dem Landwirt entstehen dadurch bei einer Fläche von 40 m² / ha Kosten in Höhe von max. 5,- € / ha, während sich der Bruterfolg laut britischen Studien mehr als verdoppelt.
Wir bitten interessierte Bäuerinnen und Bauern darum, sich in der Landschaftsstation zu melden, damit die Standorte vermerkt, die Umsetzung abgestimmt sowie bei Bedarf die entstandenen Unkosten unbürokratisch über den Verein abgedeckt werden können.

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Steckbrief: Das ist sie, die... Feldlerche...


Vogel des Jahres 1998: Die Feldlerche (Alauda arvensis; Foto: NABU)

Maße: 18 – 19 cm lang, 30 – 55 g schwer

Gefieder: auf den ersten Blick hell mit braunen Flecken, Brust gestrichelt, Schwanz mit weißen Außenkanten (fällt auf im Flug),

Sonstiges zum Aussehen: stellt Scheitelfedern oft zu kleiner Haube auf, Schnabel kurz und kräftig

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Auffällig - Der Singflug (Grafik: Alf Pille - LBV)
Den Gesang der Feldlerche können Sie z. B. auf der Seite des NABU zum Vogel des Jahres 1998 anhören.

Nahrung: Insekten, Spinnen und Pflanzenteile
Brut: Zwischen April und August; 3 – 5 Eier Dauer: 11 – 12 Tage + 1 Monat bis zum Selbstständigwerden der Jungen

Gefährdung im Weserbergland: "Gefährdet" = Stufe 3 auf der Roten Liste von 1996. (So auch in Bayern: "Gefährdet" = Rote Liste, Stufe 3)
In den Roten Listen für NRW (1996) und Deutschland (1998) ist die Feldlerche als "V" eingestuft, d.h. als zurückgehende Art der Vorwarnliste "vorgemerkt", weil sie bei Fortschreiten der allgemeinenen Entwicklung wahrscheinlich in die Gefährdungsstufe 3 aufgenommen werden muss. Seit der Erstellung dieser Listen sind schon wieder zehn Jahre vergangen.

Teile dieses Texts sind z.T. gekürzt und leicht angepasst übernommen von der Broschüre "Lerchenfenster" des Landesbund für Vogelschutz in Bayern - LBV, die hier als pdf (108 kB) heruntergeladen werden kann. Die dort erwähnten Untersuchungen im Jahr 2006 haben die positiven Effekte von Lerchenfenstern für die Feldlerche und andere Vögel v.a. in relativ ausgeräumten Ackerlandschaften und Börden bestätigt. - Quelle: PILLE, A. (Bearb.; o.J.): „Lerchenfenster“– Erprobung eines neuen Konzepts zum Feldvogel-Schutz. Hilpoltstein, Landesbund für Vogelschutz in Bayern. -

Wir danken dem LBV und Alf Pille für ihre Erlaubnis der Nutzung ihrer Texte, Bilder und Grafiken.

Weitere Informationen auch auf den Projektseiten des LBV zum Thema
 http://www.lbv.de/artenschutz/voegel/feldlerche/ sowie
"Lerchenfenster" - Erprobung eines neuen Konzeptes zum Feldvogel-Schutz


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